Die erste Runde lief bei Enya noch etwas unglücklich, ein klar gewonnenes Turmendspiel wickelte sie mit einem verfrühten Turmtausch in ein immer noch gewonnenes aber etwas komplizierteres Bauernendspiel ab, das sie schließlich leider noch verlor.

Turm d3 ist hier kein Fehler, aber doch unnötig. Zum Beispiel mit Tf3 erstmal den Turm besser stellen und anschließend e4 und Td3 spielen wäre eine deutlich einfachere Gewinnführung.

Die logische Folge von Td3 war folgende Stellung, in der f3 der einzige Gewinnzug ist. Denn wenn die f Bauern jeweils ein Feld weiter vorne stehen, gewinnt Kd4 mit Matt auf der Grundreihe bevor weiß die Dame auf d8 kriegt. Wie von Enya direkt gespielt verliert Kd4 leider, weil ein Tempo fehlt.

 

Doch von diesem Missgeschick ließ sich Enya nicht aus der Ruhe bringen und kämpfte sich mit 3 souveränen Siegen wieder auf Platz 9 vor und damit nah an ihren Setzplatz 7. Diesen könnte sie heute mit einem weiteren Sieg in der 5. Runde zum ersten Mal verbessern.

Yunqi hat zumindest in dieser Hinsicht das Problem, dass er seinen Setzplatz gar nicht verbessern kann. Doch als Topgesetzter den Platz an der Sonne zu halten ist auch schwer genug. In den ersten Runden zeigte er mit 4 Siegen keine Schwäche. Etwas Glück benötigte er lediglich im württemberginternen in Runde 4 gegen Lennart Naumann aus Schwäbisch Hall. Nachdem Yunqi bereits ausgangs der Eröffnung einen Bauern gewonnen hatte und lange Zeit wie der sichere Sieger aussah, fand sein Gegner zum Ende des Mittelspiels einige starke Züge, so dass die Stellung in ein ausgeglichenes Turmendspiel verflachte. Dieses versuchte sein Gegner dann tatsächlich mit der Brechstange noch zu gewinnen und so geschah folgendes:

Schwarz hat bereits auf h4 einen Bauern geopfert, um f und g zum laufen zu bringen und Td2 ist hier nur konsequent. Nehmen darf man den natürlich nicht, aber Tf1 hält für weiß alles unter Kontrolle. Das anschließende Td1 war dann der Ambitionen zu viel, den nimmt Yunqi problemlos, da der weiße König die Bauern gerade noch rechtzeitig einholt.

In diesem Fall war es vielleicht weniger die Schachgöttin Caissa sondern eher Karma, nachdem die Haller das direkte Duell zwischen ihrem besten Spieler und dem besten Jugendlichen in Schönaich in der Liga mit 8 vor dem Talent platzierten Titelträgern unterbunden hatten, so dass Lennart leider am Schlussbrett keine Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln konnte, was sich hier eventuell bemerkbar gemacht hat. Falls du diese Zeilen liest Lennart, Kopf hoch, die Partie war über weite Strecken wirklich stark gespielt! Und in Schönaich wird auch immer ein Spitzenbrett für dich frei sein, wenn du irgendwann Interesse hast 😉

Mit 4/4 Punkten steht heute für Yunqi bereits das vorentscheidende Duell um Platz 1 gegen Harshill Pradeep an, der ebenfalls noch verlustpunktfrei ist. Aktuell hat Yunqi mit dem Doppelturm gegen die Dame bei 2 Mehrbauern die Vorteile auf seiner Seite, verlieren dürfte er die Stellung auf keinen Fall. Witzigerweise könnte es in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga zu einer Neuauflage dieses Duells kommen, wenn Schönaich auf Bickenbach trifft. Aber das ist noch Zukunftsmusik, das aktuelle Duell kann übrigens unter folgendem Link live verfolgt werden:

https://www.deutsche-schachjugend.de/2026/dem-u12/partien/5-1/